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Paper of the Month

November 2020


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Differential immunological signature at the culprit site distinguishes acute coronary syndrome with intact from acute coronary syndrome with ruptured fibrous cap: results from the prospective translational OPTICO-ACS study. European Heart Journal (2020), DZHK-Autoren: David M Leistner, Nicolle Kränkel, Denitsa Meteva, Youssef S Abdelwahed , Claudio Seppelt , Barbara E Stähli , Himanshu Rai, Carsten Skurk , Alexander Lauten, Georg Fröhlich, Ursula Rauch-Kröhnert, Matthias Riedel, Lara Sieronsk, Sylvia Kia, Elisabeth Strässler, Arash Haghikia, Fabian Dirks, Julia K Steiner, Dominik N Mueller, Michael Jone, Ulf Landmesser

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Ein akutes Koronarsyndrom ist eine lebensgefährliche Durchblutungsstörung des Herzmuskels, die durch eine Verengung der Herzkranzgefäße verursacht wird. Dazu tragen Plaques bei, an denen sich Blutgerinnsel (Thromben) bilden können, die sich dann ablösen und Herzkranzgefäße verstopfen. Die Auslöser dieser Blutgerinnselbildung und damit des Herzinfarkts sind bisher nur unzureichend geklärt. Lange vermutete man, dass diese Blutgerinnsel ausschließlich durch eine Ruptur der Bindegewebshülle um die Ablagerung und die Freisetzung des darunterliegenden Materials entstehen. DZHK-Forscher an der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten nun einen weiteren Mechanismus aufdecken, der von einem fehlgeleiteten adaptiven Immunsystem angetrieben wird.

In der OPTICO-ACS-Studie gelang es dem Team um die beiden Studienleiter Prof. Dr. David M. Leistner und Prof. Dr. Ulf Landmesser durch eine spezielle Bildgebungstechnik – die so genannte optische Kohärenztomographie (OCT) – die infarktauslösenden Plaques bei Patienten hochauflösend darzustellen. Mithilfe dieser Bilder konnten sie zuverlässig einteilen, ob eine Ruptur oder eine Erosion der Plaques einen Herzinfarkt auslöste.

Bei etwa einem Viertel der Fälle lagen durch eine Erosion verursachte Blutgerinnsel vor. Dabei war auch die Zusammensetzung der Immunzellen verändert, CD4- und CD8-positive Lymphozyten sowie deren zytotoxische Effektormoleküle traten vermehrt auf. Das deutet auf eine Entzündungsreaktion hin, die Endothelzellen der Gefäßinnenwand schädigen kann. Die Blutgerinnsel fanden sich in diesen Fällen zudem häufiger in der Nähe von Gefäßverzweigungen. Dort begünstigen spezielle Strömungsverhältnisse die Ansammlung der Gerinnsel an der Gefäßinnenwand. Ihre Erkenntnisse konnten die Forscher auch in Zellkulturexperimenten bestätigen.

Die Studie liefert erstmals eine Erklärung, warum Plaque-Erosionen einen Herzinfarkt auslösen können. Außerdem bietet sie einen neuen Forschungsansatz, um bestimmte Ausprägungen des akuten Koronarsyndroms zukünftig gezielter behandeln und so eventuell auch Folgeereignisse vermeiden zu können.

Publikation