Paper of the Month

November 2019


Ticagrelor or Prasugrel in Patients with Acute Coronary Syndromes. New England Journal of Medicine. DZHK-Autoren: Stefanie Schüpke, Franz-Josef Neumann, Isabell Bernlochner, Christoph Liebetrau, Ibrahim Akin, Ulf Landmesser, Hugo A. Katus, Dirk Sibbing, Marion Janisch, Erion Xhepa, Sebastian Kufner, Christian W. Hamm, Heribert Schunkert, Karl-Ludwig Laugwitz & Adnan Kastrati

Nach einem Herzinfarkt oder einer instabilen Angina pectoris ist die blutplättchenhemmende Behandlung mit Prasugrel für Patienten besser als mit Ticagrelor. Zu diesem unerwarteten Ergebnis kommt ISAR-REACT 5, eine vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) und dem Deutschen Herzzentrum München geförderte industrie-unabhängige Studie. Nach einem Jahr traten in der mit Prasugrel behandelten Patientengruppe weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und Todesfälle auf als in der Patientengruppe, die Ticagrelor erhielt. Auch das Blutungsrisiko wurde mit Prasugrel nicht erhöht.

Die Studie umfasste das gesamte Spektrum der Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS): 41 Prozent der Studienteilnehmer wurden mit einem Herzinfarkt mit ST-Segmenthebung (STEMI), 46 Prozent mit einem Herzinfarkt ohne ST-Segmenthebung (NSTEMI) und 13 Prozent mit instabiler Angina pectoris diagnostiziert. NSTEMI unterscheidet sich von STEMI unter anderem dadurch, dass in einem Teil des EKG, dem ST-Segment, eine bestimmte Hebung fehlt. Bei allen Patienten war eine Untersuchung mit dem Herzkatheter geplant.

Die Studienteilnehmer wurden zufällig einer Therapie mit Prasugrel oder Ticagrelor zugeordnet. Patienten mit Ticagrelor-Therapie erhielten das Medikament noch bevor die Ärzte ihr Herz mit dem Katheter untersuchten. Prasugrel wurde nur zur Vorbehandlung von Patienten mit STEMI verwendet. Aufgrund früherer Studienergebnisse erhielten Patienten mit NSTEMI und instabiler Angina pectoris Prasugrel erst nachdem die Herzanatomie bekannt war.

Bei älteren Patienten (75 Jahre und älter) und Patienten mit einem Gewicht von weniger als 60 kg wurde die Erhaltungsdosis von Prasugrel von 10 auf 5 mg pro Tag reduziert. Die Mehrheit der Patienten (84 %) wurde mit einer perkutanen Koronarintervention behandelt, 2 Prozent erhielten eine Bypass-Operation und 14 Prozent wurden konservativ behandelt.

Nach einem Jahr trat der Endpunkt Tod, das Wiederauftretens eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls bei mit Prasugrel behandelten Patienten (6,9 %) weniger häufig auf als bei Patienten, die Ticagrelor erhielten (9,3 %). Gleichzeitig wurde mit der Prasugrel-basierten Strategie das Blutungsrisiko nicht erhöht.

Die Ergebnisse der Studie sprechen dafür, Prasugrel sowohl bei einem STEMI und NSTEMI als auch bei einer instabilen Angina pectoris zu bevorzugen.

Publikation

Zur DZHK-Pressemitteilung: Prasugrel ist bei Herzinfarkt überlegen