Paper of the Month

Dezember 2019


Application of non-HDL cholesterol for population-based cardiovascular risk stratification: results from the Multinational Cardiovascular Risk Consortium. The Lancet. DZHK-Autoren: Fabian J. Brunner, Christoph Waldeyer, David M. Leistner, Ulf Landmesser, Stefan Blankenberg

Erhöhte Cholesterinwerte vergrößern insbesondere für junge Menschen das Langzeitrisiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, stärker als bisher in der Medizin angenommen. Dies belegt eine Studie des Multinationalen kardiovaskulären Risikokonsortiums unter der Leitung von Forschern des Universitäts-Herz- und Gefäßzentrums Hamburg, die in The Lancet veröffentlicht wurde.

Das neue Risikomodell der Kardiologen zeigt im Langzeitverlauf, dass selbst ein leicht erhöhter non-HDL-Wert zwischen 3,7 und 4,8 Millimol pro Liter (3,7 bis <4,8 mmol/Liter entspricht etwa 145 bis <185 Milligramm pro Deziliter – 145-<185 mg/dl –, der in Deutschland üblichen Messweise) das Herzinfarktrisiko einer 40-jährigen Frau um den Faktor 1,8 erhöht. Bei einem gleichaltrigen Mann verdoppelt sich das Risiko im Vergleich zu Personen ohne erhöhten Cholesterinspiegel. Kommen bei demselben Cholesterinspiegel weitere Faktoren wie Diabetes oder Rauchen hinzu, kann ein Herzinfarkt oder Schlaganfall irgendwann eine Wahrscheinlichkeit von bis zu 29 Prozent erreichen.

Das Herzinfarktrisiko für Personen mit erhöhten Blutfettwerten wurde bisher nur für die folgenden zehn Jahre berechnet. Insbesondere bei jungen Menschen ergaben sich daraus keine erhöhten Risiken. Auf der Basis der abgeschlossenen Studie ist es nun möglich, das Lebenszeitrisiko annähernd vorherzusagen.

Mit dem neu entwickelten Risikomodell haben die Forscher auch das hypothetische Risiko für dieselben Personen mit einem um 30 oder 50 Prozent reduzierten non-HDL-Wert berechnet. Dadurch wird das Herzinfarktrisiko deutlich gesenkt. Für einen 40-jährigen Mann ohne zusätzliche Risikofaktoren bedeutet dies eine Senkung von 19 auf etwa 4 Prozent. Täglich stehen unzählige Patienten und Ärzte vor der Entscheidung, cholesterinsenkende Maßnahmen wie die Einnahme von Statinen durchzuführen. In solchen Situationen kann das Modell bei der Entscheidungsfindung helfen.

Die Datenanalysen, die über drei Jahre laufen, basieren auf einem harmonisierten Modell, das neben den Daten aus europäischen Ländern auch Daten aus den USA und Australien berücksichtigt. Die Daten von rund 400.000 Teilnehmern aus 38 prospektiven populationsbasierten Studien aus 19 Ländern erlauben Rückschlüsse auf die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Abhängigkeit von den bei den Studienteilnehmern gemessenen Cholesterinwerten über einen Zeitraum von bis zu 43 Jahren. Dies bietet eine sehr gute therapeutische Entscheidungshilfe in der Kommunikation mit den Patienten über die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Publikation