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Vorhofflimmern: Rhythmuserhaltende Therapie beugt Komplikationen vor


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Die Studie EAST–AFNET 4 liefert neue Hinweise, wie Vorhofflimmern in der frühen Phase am besten behandelt werden kann: Therapien, die den Herzrhythmus stabilisieren, können Schlaganfälle und schwere Folgeschäden verringern.

Vorhofflimmern geht meist mit einem schnellen und unregelmäßigen Herzschlag einher. Die Vorhöfe kontrahieren nicht mehr richtig, wodurch sich Blut staut. Auf diese Weise entstehen Blutgerinnsel - gelangen sie ins Gehirn, kommt es zum Schlaganfall. Langfristig kann auch der Herzmuskel in Mitleidenschaft gezogen werden und eine Herzschwäche entstehen.

Um dem vorzubeugen, erhalten Betroffene Medikamenten, die das Herz langsamer schlagen lassen und die das Blut verdünnen. Die Behandlung beginnt zügig nach der Diagnose, auch wenn die Patienten häufig kaum Beschwerden haben. Antiarrhythmika, also Wirkstoffe, die einen gleichmäßigen Sinusrhythmus wiederherstellen können, wurden in den letzten Jahren eher sparsam eingesetzt, weil sie erhebliche Nebenwirkungen haben und ihr vorbeugender Effekt bislang umstritten war. Sie kommen erst bei stärkeren Beschwerden zum Einsatz.

Die gerade beim Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) vorgestellte Studie EAST–AFNET 4 vom Kompetenznetz Vorhofflimmern könnte hier für einen Paradigmenwechsel sorgen. Sie zeigt, dass frühe Rhythmuskontrolle die Aussichten der Patienten sehr wohl verbessern kann. Die Abkürzung steht für Early Treatment of Atrial Fibrillation for Stroke Prevention, auf Deutsch: frühe Behandlung von Vorhofflimmern zur Verhinderung von Schlaganfällen.

An der Studie nahmen 2789 Patienten aus 11 europäischen Ländern teil. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt und erhielten rund einen Monat nach der Diagnose entweder die übliche mit Blutgerinnungshemmung und Frequenzregulierung oder die übliche Behandlung mit zusätzlicher Rhythmuskontrolle. Diese erfolgte entweder durch Antiarrhythmika oder durch eine Katheterablation.
Das Ergebnis der Studie: Die frühzeitige Kontrolle des Sinusrhythmus konnte rund jede fünfte schwere Komplikation von Vorhofflimmern wie Schlaganfall, Herzinfarkt und Verschlechterung der Herzschwäche im Verlauf von fünf Jahren verhindern. „Das Risiko für schwere kardiovaskuläre Komplikationen und Todesfälle ist bei Patienten mit Vorhofflimmern im ersten Jahr nach der Diagnose am höchsten. Das legt nahe, dass eine Therapie am meisten nützt, wenn sie möglichst früh stattfindet“, sagt Studienleiter Prof. Paulus Kirchhof.

Wissenschaftliche Partner der Studie waren neben dem Kompetenznetz Vorhofflimmern die European Heart Rhythm Association (EHRA) und das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Finanzielle Unterstützung zur Durchführung der Studie wurden vom DZHK, von der Deutschen Herzstiftung, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Firmen Sanofi und Abbott zur Verfügung gestellt.

Quelle: Pressemitteilung Kompetenznetz Vorhofflimmern