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Covid-19: Bei mild Erkrankten nutzt Immunsystem bessere Abwehrstrategie


Eine spezielle Art der Immunantwort schützt Covid-19-Patienten vor einer Lungenentzündung. |© mi_viri - stock.adobe.com


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Warum bekommen manche Corona-Patienten eine Lungenentzündung und andere nicht? Münchner Wissenschaftler haben entdeckt, dass bei Patientinnen und Patienten mit einem milden Verlauf eine spezielle Art der Immunantwort dafür sorgt, dass sich das Virus nicht weiter im Körper ausbreitet – und sie so vor einer Lungenentzündung schützt. Die Forscher wollen nun herausfinden, wie sie auch bei Risikopatienten eine solche Immunantwort auslösen können.

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90 Prozent der Menschen, die sich mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert haben, können das Virus so erfolgreich eindämmen, dass es nicht zu einer Lungenentzündung kommt. Um herauszufinden, warum das so ist, hat ein Team um die DZHK-Wissenschaftler Kami Pekayvaz, Konstantin Stark und Leo Nicolai vom LMU Klinikum in München Blutproben und Nasenabstriche von über 100 Patientinnen und Patienten untersucht. Die Proben stammten von mild erkrankten Patienten sowie von Risikopatienten mit und ohne Lungenbeteiligung. Die Wissenschaftler überprüften Gene, Proteine und andere Moleküle, die in einer Immunantwort eine Rolle spielen, mit verschiedenen Methoden und kombinierten ihre Erkenntnisse mit klinischen Daten.

Bei Patienten, die kaum oder gar keine Symptome hatten, zeigte sich schon zu einem frühen Zeitpunkt der Erkrankung eine sehr starke antivirale Antwort in den Immunzellen im Blut. Die Wissenschaftler sprechen von einer Immunantwort, die durch sogenannte Interferon Stimulierte Gene – kurz: ISGs – charakterisiert ist. „Diese kann man sich als eine ganze Waffenkammer an Proteinen vorstellen, die Zellen gegen virale Eindringlinge nutzen können“, erklären die Autoren der Studie. „Wir glauben, dass diese Art der Immunantwort eine weitere   Ausbreitung des Virus verhindert, weil sozusagen der Körper in Alarmbereitschaft versetzt wird und so zum Beispiel das Lungengewebe auf den Eindringling vorbereitet ist.“ Die Ergebnisse des Teams sind im Fachblatt Nature Communications erschienen.

Bei den mild Erkrankten könnte es noch einen weiteren Grund geben, dass sich das SARS-CoV-2 Virus im Körper nicht so gut ausbreiten kann: Bei ihnen scheinen die sogenannten natürlichen Killerzellen und die T-Zellen, die der Körper einsetzt, um sich gegen das Virus zu wehren, weniger Schaden bei den körpereigener Zellen anzurichten.

Als nächstes wollen die Forscher nun herausfinden, wie sich eine solche Immunantwort aktivieren lässt. Insbesondere Risikopatienten, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, könnten so vor einem schweren Verlauf geschützt werden, bei dem es zu einer Lungenentzündung kommt. „Es gibt hier bereits Ansätze, es kamen zum Beispiel Nasensprays zum Einsatz, die über Interferon-alpha oder andere Mechanismen eine solche Antwort auslösen“. Diese Ansätze müsse man nun optimieren. Vielversprechend wäre daran auch, dass solche Strategien womöglich auch in der nächsten Pandemie gegen andere virale Erreger als SARS-CoV-2 helfen könnten.

 

Publikation: Protective immune trajectories in early viral containment of non-pneumonic SARS-CoV-2 infection, Nat Commun. 2022 Feb 23;13(1):1018.
DOI: 10.1038/s41467-022-28508-0

Wissenschaftlicher Ansprechpartner: Dr. med. Leo Nicolai, Medizinische Klinik I, LMU Klinikum München, leo.nicolai@med.uni-muenchen.de

Quelle: LMU Klinikum

Diese wissenschaftliche Publikation wurde vom DZHK-Vorstand zum Paper of the Month März 2022 gewählt.