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Periphere arterielle Verschlusskrankheit: Erstmals Risikoscore zur Vorhersage von schweren Blutungen entwickelt


Menschen mit einer PAVK leiden unter Durchblutungsstörungen in den Extremitäten. Am häufigsten sind die Beine betroffen. | © PORNCHAI SODA - stock.adobe.com


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Der neu entwickelten Risikoscore sagt für Patientinnen und Patienten das 1-Jahres-Risiko für schwere Blutungen nach stationären Behandlungen der symptomatischen peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) vorher. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) waren an der Entwicklung des Scores beteiligt.

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Bisherige Vorhersagemodelle und Empfehlungen bezogen sich primär auf andere kardiovaskuläre Erkrankungen – geeignete Vorhersagen für PAVK-Patienten waren nicht möglich. Menschen mit einer PAVK leiden unter Durchblutungsstörungen in den Extremitäten.

Für die Berechnung des Risikoscores wurden Krankenkassendaten von fast 82.000 Patienten mit PAVK verwendet, die zwischen 2010 und 2018 stationär behandelt wurden. Der Risikoscore wurde an einem Trainingsdatensatz mittels Verfahren des maschinellen Lernens entwickelt und intern validiert. Deutlich wurde, dass etwa 2,2 Prozent der Patienten nach einem Jahr Komplikationen aufwiesen. Zumeist handelte es sich um stationär behandlungsbedürftige gastrointestinale Blutungen.

„Wir hoffen, dass die patient:innenindividuelle Berechnung des Blutungsrisikos bei der komplementären Therapie und Nachsorge dieser chronischen komplexen Volkskrankheit helfen wird. Derzeit wird der Risikoscore in England, Frankreich, USA und Schweden validiert“, sagt der Erstautor der Studie und DZHK-Wissenschaftler Priv.-Doz. Dr. Christian-Alexander Behrendt aus der Klinik und Poliklinik für Gefäßmedizin.

Acht voneinander unabhängige Risikofaktoren gehen in die Berechnung des 1-Jahres-Risikos ein: Orale Antikoagulation, hohes Alter (über 80 Jahre), chronische Extremitäten gefährdende Ischämie (Fontaine Stadien III und IV), chronische Herzinsuffizienz, schwere Niereninsuffizienz, vorhergehendes Blutungsereignis, Anämie, Demenz.

Die Wissenschaftler, die den Risikoscore entwickelt haben, erarbeiten derzeit eine europäische Leitlinie zur antithrombotischen Therapie von Gefäßkrankheiten.

 

Publikation: CA. Behrendt et al. The OAC3-PAD Risk Score Predicts Major Bleeding Events one Year after Hospitalisation for Peripheral Artery Disease. Eur J Vasc Endovasc Surg., online ahead of print, 2022.

DOI: https://doi.org/10.1016/j.ejvs.2021.12.019

Wissenschaftlicher Ansprechpartner: Priv.-Doz. Dr. Christian-Alexander Behrendt, Klinik und Poliklinik für Gefäßmedizin

Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE)