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RNA-Schnipsel begünstigt Entzündungen


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Atherosklerose ist die häufigste Ursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. DZHK-Wissenschaftler aus München identifizierten eine microRNA, die wesentlich zur Entstehung dieser Entzündungsreaktion  beiträgt  – und damit auch einen Ansatzpunkt für neue Therapien bietet.

Atherosklerose – umgangssprachlich auch als Gefäßverkalkung bekannt – gehört zu den häufigsten Todesursachen. Dabei kommt es zu Ablagerungen in den Gefäßen, die Fresszellen des Immunsystems – sogenannte Makrophagen – anlocken. Makrophagen lösen wiederum Entzündungen aus, die die Ablagerungen verschlimmern und letztendlich Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen können. Ein Team um den LMU-Mediziner Professor Andreas Schober hat nun eine microRNA (miRNA) identifiziert, die den Startschuss für die Entzündungsreaktion gibt.

miRNAs sind extrem kurze Abschnitte aus RNA, einer dem Erbmolekül DNA nahe verwandten Nukleinsäure. Sie tragen in vielen Lebewesen wesentlich zur Regulation der Genaktivität bei – unter anderem bei Abwehrzellen des Immunsystems wie den Makrophagen, deren Genfunktionen oft kurzfristig angepasst werden müssen. „Welche miRNAs die Entzündungsreaktion in verschiedenen Stadien der Atherosklerose kontrollieren, war allerdings bisher unbekannt“, sagt Schober.

Bereits in einer vor kurzem veröffentlichten Studie konnte Schobers Team zeigen, dass die microRNA miR-155 in Makrophagen besonders häufig gebildet wird. Dieses Molekül hemmt den Bau eines entzündungshemmenden Proteins und sorgt so für ein Fortschreiten der Atherosklerose – aber es ist nicht der Initiator der Entzündung. Am Tiermodell untersuchten die Forscher für verschiedene Stadien der Atherosklerose, welche miRNAs aktiv sind. Damit gelang ihnen der Nachweis, dass in frühen Stadien der Atherosklerose zunächst eine andere miRNA – miR-342-5p – zum Einsatz kommt.

Neue therapeutische Ansätze

„Die neu identifizierte miR-342-5p, wird von den Makrophagen jederzeit gebildet, aber erst durch Entzündungen aktiviert. Diese Aktivierung führt indirekt zur gesteigerten Produktion der miR-155“, erklärt Schober. Die Ergebnisse der Studie machen miR-342-5p auch zu einem interessanten Ziel für neue therapeutische Ansätze: Im Tiermodell konnten die Forscher bereits nachweisen, dass die Hemmung von miR-342-5p das Fortschreiten der Atherosklerose vermindern kann.

„Vermutlich kann Atherosklerose auch im Menschen durch Hemmung von microRNAs therapiert werden“, so Schober. „Es gibt synthetische Hemmstoffe für jede microRNA, die therapeutisch eingesetzt werden könnten,  wenn sie sich in entsprechenden Tests bewährt haben.“ Für die Zukunft planen die Forscher daher, in Zusammenarbeit mit Biotech-Firmen einen eigenen microRNA-Inhibitor zu entwickeln, der dann auch therapeutisch eingesetzt werden kann.

Gefördert wurden die Forschungsarbeiten aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen der DFG-Forschergruppe FOR809.
(Circulation, 2013)

Quelle: Pressemitteilung LMU München