Eine Mitralklappeninsuffizienz ist die häufigste Herzklappenerkrankung bei älteren Menschen. Die Betroffenen erhalten in der Regel eine mittels Kathetern durchgeführte Reparatur der defekten Herzklappe. Viele dieser Patient leiden gleichzeitig an Vorhofflimmern. Die Herzrhythmusstörung kann medikamentös oder mit einer Katheterablation behandelt werden. Ob eine Ablation nach einer Mitralklappenreparatur Vorteile gegenüber der üblichen medikamentösen Behandlung hat, wurde bislang jedoch nicht untersucht.
Schützt die Ablation besser vor Komplikationen?
CABA-MiTRA steht für Catheter Ablation for Atrial Fibrillation in Patients with Severe Mitral Regurgitation after Successful Transcatheter Mitral-Valve Repair, auf deutsch: Katheterablation bei Patient mit Vorhofflimmern und schwerer Mitralklappeninsuffizienz nach erfolgreicher Transkatheter-Mitralklappenreparatur. AFNET Vorstand Prof. Stephan Willems, Hamburg, der die CABA-MiTRA-AFNET12-DZHK34 Studie gemeinsam mit den drei AFNET Lenkungsausschussmitgliedern Prof. Lars Eckardt, Münster, Prof. Daniel Steven, Köln, und Prof. Reza Wakili, Frankfurt, leitet, erläutert den Hintergrund:
„Neuere Ergebnisse haben gezeigt, dass eine Katheterablation Patient mit Vorhofflimmern und bestimmten Begleiterkrankungen besser vor Komplikationen des Vorhofflimmerns schützt als die übliche Standardbehandlung. Wir wollen nun herausfinden, ob das auch auf die spezielle Gruppe der Vorhofflimmerpatient nach einer Mitralklappenreparatur zutrifft. Zu diesem Zweck hat das Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) die CABA-MiTRA-AFNET12-DZHK34 Studie ins Leben gerufen und führt diese nun in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) durch.“
Um die Studienfrage beantworten zu können, plant das Team den Einschluss von 956 Patient, die an Vorhofflimmern leiden und innerhalb der letzten sechs Monate eine erfolgreiche Mitralklappenreparatur erhalten haben. Bei Eintritt in die Studie werden alle Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip einer von zwei gleich großen Gruppen zugeordnet, wo sie entweder eine Vorhofflimmerablation oder die übliche leitliniengerechte medikamentöse Behandlung erhalten. Etwa 50 Kliniken in Deutschland und Europa sollen an der Rekrutierung und Behandlung der Studienpatient mitwirken.
Ko-Studienleiter Prof. Wakili lobt die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten: „CABA-MiTRA-AFNET12-DZHK34 ist eine Teamleistung. Durch das unermüdliche Engagement des AFNET und der teilnehmenden Studienzentren sowie die fruchtbare Kooperation mit dem DZHK und den anderen Partnern ist es uns gelungen, die Studie erfolgreich zu starten und die erste Patientin einzuschließen.“
Vorhofflimmern und Mitralklappeninsuffizienz treten häufig gemeinsam auf
Aktuelle Daten deuten darauf hin, dass die Komplikationen verhindernde Wirkung einer frühzeitigen Vorhofflimmerablation auf eine Verringerung der Vorhofflimmerlast zurückzuführen ist. Um diesen Zusammenhang zu untersuchen, wird im Rahmen einer Substudie auch die Vorhofflimmerlast quantitativ erfasst. Dazu wird an einigen Studienzentren den Teilnehmenden optional die Implantation eines Ereignisrekorders angeboten, mit dem sich die Vorhofflimmerlast genau messen lässt.
„Vorhofflimmern und Mitralklappeninsuffizienz treten bei älteren Menschen häufig gemeinsam auf. Beide Erkrankungen sind nicht nur durch eine komplexe pathophysiologische Wechselwirkung miteinander verbunden, sondern es ist auch zu erwarten, dass ihr Auftreten durch die Alterung der Bevölkerung und andere Ursachen, zum Beispiel Adipositas, zunehmen wird. Eine optimale Behandlung dieser Patient wird daher immer wichtiger.“ erklärt Ko-Studienleiter Prof. Steven.
Ko-Studienleiter Prof. Eckardt fasst zusammen: „Die Ergebnisse der CABA-MiTRA-AFNET12-DZHK34 Studie können die Behandlung der Menschen mit Vorhofflimmern und Mitralklappeninsuffizienz verbessern. Unsere Studie hat damit das Potenzial, zu einem gesünderen Altern in dieser Bevölkerungsgruppe mit erhöhtem Risiko für vorzeitigen Tod, Schlaganfall und Herzschwäche beizutragen."
CABA-MiTRA-AFNET12-DZHK34 ist eine wissenschaftsinitiierte Studie des DZHK und des Kompetenznetzes Vorhofflimmern (AFNET). Sie vergleicht zwei zugelassene Behandlungsstrategien bei Patient mit Vorhofflimmern. Das DZHK fördert die Studie finanziell und begleitet sie als Kooperationspartner. Sponsor der Studie ist das AFNET. Weitere finanzielle Unterstützung kommt von der Deutschen Herzstiftung sowie von Abbott Medical, Boston Scientific und Biosense Webster / Johnson & Johnson.
Quelle: Pressemitteilung AFNET
Studientitel:
Catheter Ablation for Atrial Fibrillation in Patients with Severe Mitral Regurgitation after Successful Transcatheter Mitral-Valve Repair
NCT07380932
Kompetenznetz Vorhofflimmern:
www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de
Pressekontakt:
Dr. Angelika Leute, Tel: 0202 2623395, a.leute@t-online.de