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Könnten Abnehm-Medikamente Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch in der Primärprävention verhindern?

Forschende des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) aus den Standorten Nord und Rhein-Main haben erstmals modelliert, welchen potenziellen Nutzen sogenannte GLP 1 Rezeptoragonisten in der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben könnten.

Laut der Modellierung würden Menschen mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko besonders von Medikamenten zur Gewichtsreduktion profitieren. (Bild: DZHK/KI-generiert)

Medikamente zur Gewichtsreduktion stehen seit einigen Jahren stark im Fokus. Bekannt ist, dass GLP‑1‑Rezeptoragonisten bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas und bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen das Risiko für weitere Ereignisse senken. Ob sie auch helfen könnten, Herzinfarkte oder Schlaganfälle bei Menschen ohne bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankung, aber mit erhöhtem Risiko, von vornherein zu verhindern, war bisher unklar.

Ein DZHK-Forschungsteam hat diese Frage nun mithilfe eines Modellansatzes untersucht – nicht in einer klinischen Studie, sondern auf Basis großer Bevölkerungsdatensätze.

Modellierung statt klinischer Studie

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache. Für die Vorbeugung spielen veränderbare Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Blutzuckerwerte, Fettstoffwechselstörungen und Entzündungsprozesse eine zentrale Rolle.

Für die Analyse werteten die Forschenden Daten von mehr als 610.000 Personen ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung aus. Daraus entwickelten sie ein Modell, das den Zusammenhang zwischen diesen Risikofaktoren und dem Auftreten von Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod beschreibt.

Anschließend simulierten sie die Wirkung einer GLP‑1‑Therapie: Die in der SELECT-Studie beobachteten, Placebo korrigierten Veränderungen – etwa bei Körpergewicht, Blutdruck, Blutzucker, Blutfetten oder Entzündungsmarkern – wurden rechnerisch auf über 200.000 Personen aus aktuellen Gesundheitsstudien übertragen. So ließ sich abschätzen, wie sich deren Risiko verändern würde.

Die Ergebnisse zeigen also keine direkt gemessene Wirkung, sondern eine modellierte Prognose unter bestimmten Annahmen.

„Diese Subanalyse des Global Cardiovascular Risk Consortiums ist vor allem ein Gedankenexperiment, das die potenziellen Effekte einer Therapie in einem Setting abschätzt, in dem diese Therapie bislang nicht angewendet wird - und zugleich zeigt, was mit Populationsdaten möglich ist, wenn man mit einer klaren klinischen Fragestellung und einer starken Idee beginnt“, sagt Prof. Christina Magnussen vom Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf, die Letztautorin der Studie.

Größter Nutzen für Menschen mit hohem Risiko

Im Fokus standen Personen mit erhöhtem Ausgangsrisiko, insbesondere mit einem Body-Mass-Index ab 27 und einem erhöhten SCORE2-Risiko, aber ohne bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In dieser Gruppe lag die geschätzte 10‑Jahres-Rate für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei 13,82 Prozent. Unter den modellierten Effekten einer GLP‑1‑Therapie sank sie auf 10,83 Prozent – eine absolute Risikoreduktion von knapp 3 Prozent und eine relative Reduktion von 22 Prozent.

Auch die Sterblichkeit nahm in der Modellierung ab. Die Effekte waren geringer bei Menschen mit niedrigerem Risiko oder ohne Übergewicht und fielen schwächer aus, wenn eine geringere Therapietreue angenommen wurde.

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass aus der Modellierung kein direkter klinischer Nutzen abgeleitet werden kann. Die Ergebnisse können jedoch helfen, zukünftige randomisierte Studien gezielt zu planen und geeignete Patientengruppen zu identifizieren.


Publikation:
Schrage B, Lackner MK, Hoshiyar A, et al. Emulated Effects of Glucagon-Like Peptide 1 Receptor Agonist Therapy in the General Population. J Am Coll Cardiol. Published online February 28, 2026. doi:10.1016/j.jacc.2026.01.055