Nikotin schädigt Herz und Gefäße unabhängig vom Produkt
Im Mittelpunkt der Arbeit steht die weltweite Krankheitslast durch Nikotinkonsum. Jährlich sterben rund 7,7 Millionen Menschen an den Folgen des aktiven Rauchens und weitere 1,3 Millionen durch Passivrauchen. Ein Großteil dieser Todesfälle ist auf Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. Die Analyse macht deutlich, dass nicht nur Verbrennungsprodukte, sondern auch Nikotin selbst kardiovaskuläre Schäden verursacht.
Die Forschenden werteten mehr als 100 experimentelle und klinische Studien aus. Im Fokus stand die Gefäßfunktion als früher Marker für Herz-Kreislauf-Schäden. Über alle Produktgruppen hinweg zeigte sich konsistent: Nikotin beeinträchtigt die Gefäßfunktion, erhöht den Blutdruck und verstärkt oxidativen Stress. Diese Mechanismen fördern die Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen unabhängig davon, ob Nikotin geraucht, erhitzt, verdampft oder über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. Studien der Universitätsmedizin Mainz hatten bereits zuvor gezeigt, dass selbst kurze Expositionen gegenüber E-Zigaretten messbare Gefäßveränderungen auslösen können.
Zunehmender Konsum bei Jugendlichen und Risiken durch Passivexposition
Besondere Sorge bereitet der zunehmende Konsum moderner Nikotinprodukte bei Jugendlichen. In mehreren europäischen Ländern haben bis zu 40 Prozent der 15- bis 16-Jährigen bereits E-Zigaretten ausprobiert, häufig ohne vorherigen Tabakkontakt. Auch Nikotinbeutel verbreiten sich zunehmend. Moderne Nikotinsalze ermöglichen eine schnelle Aufnahme im Gehirn und begünstigen eine rasche Abhängigkeitsentwicklung.
Auch die Passivexposition bleibt ein relevantes Risiko. Bereits kurze Belastungen durch Rauch, Dampf oder Aerosole können die Gefäßfunktion beeinträchtigen, nicht nur in Innenräumen, sondern auch an stark frequentierten Außenbereichen. Besonders gefährdet sind Kinder, Schwangere und Menschen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die Autorinnen und Autoren sprechen sich dafür aus, Nikotinprodukte weiterhin konsequent in den Fokus der Prävention zu stellen. Prioritär seien der Schutz von Kindern und Jugendlichen, die Reduktion der Passivexposition sowie die konsequente Umsetzung bestehender Alters- und Verkaufsregelungen. Die vorliegenden Daten zeigen, dass hier der größte präventive Nutzen zu erwarten ist.
Originalarbeit:
Thomas Münzel, Filippo Crea, Sanjay Rajagopalan, Thomas Lüscher, Nicotine and the cardiovascular system: unmasking a global public health threat, European Heart Journal, 2025;, ehaf1010, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaf1010