Neuroimmune cardiovascular interfaces control atherosclerosis. Nature (2022)

DZHK-Autor:innen: Sarajo K. Mohanta, Donato Santovito, Remco T. A. Megens, Sabine Steffens, Jürgen Bernhagen, Changjun Yin, Christian Weber, Andreas J. R. Habenicht

DZHK-Wissenschaftler der LMU haben erstmals nachgewiesen, dass bei Arteriosklerose Nervensignale zwischen Arterien und dem Gehirn ausgetauscht werden. Sie berichten in Nature, dass Arterien, die Plaques enthalten, Signale über Nerven an das Gehirn weiterleiten. Nachdem das Gehirn die Signale verarbeitet hat, gelangen die Signale zurück in das Blutgefäß.

Bei Atherosklerose bilden sich Plaques an der Innenseite der Gefäße. Dies führt zu Entzündungen an der Außenseite der Gefäße. Das periphere Nervensystem reagiert auf eine solche Entzündung. Das Team entdeckte, dass molekulare Sensoren, so genannte Rezeptoren, eine Schlüsselrolle spielen. Die Rezeptoren befinden sich in der äußeren Schicht der Gefäße. Sie erkennen, wo sich Plaques befinden und wo Gefäße entzündet sind, indem sie die entzündlichen Botenstoffe der Entzündung identifizieren.

Dann übersetzen sie die Entzündungssignale in elektrische Signale, die über Nerven an das Gehirn weitergeleitet werden. Das Gehirn verarbeitet die Signale und sendet ein Stresssignal zurück an das entzündete Blutgefäß. Dadurch wird die Entzündung negativ beeinflusst, und die Arteriosklerose verschlimmert sich.

Dieser bisher unbekannte Stromkreis zwischen den Arterien und dem Gehirn ist möglicherweise von enormer Bedeutung. Die Forscher durchtrennten im Tierversuch die elektrische Verbindung zwischen einer erkrankten Arterie und dem Gehirn, und die Nager hatten nach acht Monaten weniger ausgeprägte Atherosklerose als die Tiere der Kontrollgruppe. Langfristig hoffen die Forscher, die Ursachen der Arteriosklerose behandeln zu können.


Link zur Publikation:
Neuroimmune cardiovascular interfaces control atherosclerosis (Sarajo et al., 2022)

Link zur Pressemitteilung:
Atherosklerose: Wie erkrankte Blutgefäße im Gehirn kommunizieren