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Plötzlicher Herztod – Ursachen verstehen, Vorboten erkennen und wirksame Therapien entwickeln


DZHK-Wissenschaftler im Herzkatheterlabor des Universitätsklinikums Heidelberg | © DZHK


DZHK-Forschungsdossier zu den Herzwochen 2019 zum Thema "Be­droh­li­che Rhyth­mus­stö­run­gen: Wie schütze ich mich vor dem plötz­li­chen Herz­tod?" (1. bis zum 30. No­vem­ber 2019)

Der plötzliche Herztod scheint aus heiterem Himmel zu kommen, doch tatsächlich gehen ihm oft langjährige Herz-Kreislauf-Erkrankungen voraus, am häufigsten die koronare Herzerkrankung. Bei dieser Erkrankung sind die Herzkranzgefäße verengt. Aber auch jede andere Herz-Kreislauf-Erkrankung, die zu Herzrhythmusstörungen führen kann, ist eine mögliche Ursache für den tödlichen Herzstillstand. Die Herzwochen der Deutschen Herzstiftung widmen sich in diesem Jahr ausführlich dem plötzlichen Herztod. Aus diesem Anlass stellt das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) seine aktuellen Arbeiten in diesem Bereich vor.

Unmittelbar ausgelöst wird der plötzliche Herztod durch eine bösartige Herzrhythmusstörung, das Kammerflimmern. Dadurch bricht innerhalb von wenigen Sekunden der Kreislauf zusammen, das Herz hört auf zu schlagen und der Blutdruck sinkt auf null. Wenige Sekunden danach schwindet das Bewusstsein, einige Minuten später setzt die Atmung aus und nach ca. zehn Minuten kommt es zum Tod.

Zu einem Drittel trifft es unter 65-Jährige

2014 haben Forscher des DZHK erstmals systematisch untersucht, wie viele Menschen in Deutschland am plötzliche Herztod sterben. Sie ermittelten, dass hierzulande etwa 65.000 aller Todesfälle darauf zurückzuführen sind. Das sind rund 20 Prozent aller Herz-Kreislauf-Toten. Gut ein Drittel ist jünger als 65 Jahre.

Bei jungen Menschen gehört eine genetisch bedingte Erkrankung, die sogenannte kardiale Hypertrophie (HCM), zu den häufigsten Gründen für einen plötzlichen Herztod. Einer von 500 Menschen besitzt die Erbanlagen für HCM. Nicht alle erleiden einen plötzlichen Herztod, doch die Risikoeinschätzung ist extrem schwierig. Das Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), eine Partnereinrichtung des DZHK, beteiligt sich an einer großen internationalen Studie der National Institutes of Health (NIH), die die Risikoeinschätzung verbessern und damit Patienten gezielt schützen soll.

Bei der HCM verdickt sich die Muskulatur des Herzens durch ein übermäßiges Wachstum der Herzmuskelzellen. Eine neue Möglichkeit, wie man das schädliche Herzwachstum stoppen könnte, haben DZHK-Forscher in Mannheim entdeckt. Dabei handelt es sich um den Faktor TIP30. Er hemmt den Neubau von Proteinen in den Herzmuskelzellen und wirkt damit der krankhaften Vergrößerung des Herzens entgegen.

Mithilfe innovativer Forschungsmethoden ist es DZHK-Wissenschaftlern gleich in zwei Projekten gelungen zu entschlüsseln, wie sich die genetischen Veränderungen der erblichen Herzerkrankung HCM auf der molekularen Ebene auswirken. Damit haben sie die Basis für personalisierte Behandlungen der HCM geschaffen.

Auch gemeinsam mit der British Heart Foundation erforschen DZHK-Wissenschaftler die molekularen Ursachen der HCM, um bessere Therapien entwickeln zu können. Dafür analysieren die Forscher tausende Einzelzellen aus verschiedenen Bereichen des Herzens mit modernsten Technologien.

Erhöhte Gefahr nach Herzinfarkt

Nach einem Herzinfarkt steigt die Gefahr, an einem plötzlichen Herztod zu sterben. Als besonders gefährdet gelten Patienten, deren Herz durch den Infarkt so stark geschädigt wurde, dass es nur noch schlecht pumpen kann. Ärzte pflanzen ihnen einen Defibrillator ein, der im Notfall Stromstöße abgibt, um das Herz wieder in den richtigen Rhythmus zu bringen. Der implantierbare Schrittmacher ist jedoch oftmals unnötig und hat erhebliche Nebenwirkungen, etwa die fälschliche Abgabe von Stromstößen oder Infektionen. DZHK-Wissenschaftler mehrerer Standorte konnten mit einer großen, internationalen Studie zeigen, dass ein digitaler Biomarker geeignet ist vorherzusagen, wer von einem Defibrillator profitiert und wer nicht. Dies war bislang nicht möglich.

Tatsächlich tritt der plötzliche Herztod bei Patienten, deren Herz nach dem Infarkt nicht so stark geschädigt wurde und dessen Pumpfunktion nur wenig oder mittelgradig eingeschränkt ist, viel häufiger auf. In der Studie SMART-MI-DZHK9 untersuchen DZHK-Wissenschaftler, ob ein kleiner Monitor, der in das Herz eingepflanzt wird, Vorboten für gefährliche Rhythmusstörungen rechtzeitig erkennen und so die Überlebenschancen dieser Patientengruppe verbessern kann. Das Gerät sendet kontinuierlich Signale an die Datenzentrale eines Krankenhauses. Bei alarmierenden Anzeichen bestellen die Ärzte die Patienten sofort in das Krankenhaus ein.

Im Alltag sind Träger von Defibrillatoren und Herzschrittmachern manchmal unsicher, ob es zu Wechselwirkungen mit elektrischen Geräten kommen kann. Denn die Implantate sind anfällig für elektromagnetische Interferenzen. DZHK-Wissenschaftler Dr. Carsten Lennerz konnte mit einer Studie zeigen, dass von Elektroautos derzeit keine Gefahr für Menschen mit einem Defibrillator oder einem anderen implantierten elektrischen Herzgerät ausgeht. Auch Ganzkörperscanner, die etwa bei Sicherheitskontrollen am Flughafen eingesetzt werden, sind für diese Patientengruppe nicht gefährlich. Das belegt eine weitere Untersuchung des Münchener Forschers.

Das Kammerflimmern enträtseln

Wenn das Herz flimmert, droht der plötzliche Herztod. Doch bislang ist noch nicht genau verstanden, was sich im Herzen während dieser lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörung abspielt. Ein neues von DZHK-Forschern entwickeltes bildgebendes Verfahren ermöglicht es nun erstmals, die zugrundeliegenden, wirbelartig rotierenden Kontraktionen im Herzen zu beobachten. Damit können die Wissenschaftler das Flimmern besser analysieren und verstehen. Ihre Erkenntnisse wollen sie nutzen, um effektivere Therapien zu entwickeln. Zum Beispiel indem sie Niedrigenergie-Defibrillatoren entwickeln. Denn die derzeit eingesetzten Defibrillatoren senden im Notfall hochenergetische elektrische Schocks aus, die für die Patienten sehr schmerzhaft sind.

Auch durch theoretische Arbeiten nähern sich die DZHK-Wissenschaftler den gefährlichen Herzrhythmusstörungen. So haben sie mithilfe eines mathematischen Modells einen neuen Mechanismus entdeckt, der das bedrohliche Herzflimmern auslösen kann. Damit eröffnen sich weitere Ansatzpunkte, wie man diese krankhaften elektrischen Impulse des Herzens und damit auch den plötzlichen Herztod verhindern könnte.


Weitere Informationen über den plötzlichen Herztod finden Sie hier:

Plötzlicher Herztod

Deutsche Herzstiftung


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Mehr Sicherheit nach einem Herzinfarkt durch einen implantierbaren kleinen Monitor?
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