Führung heißt auch, die eigenen Erwartungen klar zu kommunizieren

Es gibt Menschen, die sich nicht nur privat, sondern auch in der Führungsrolle schwer damit tun, ihre Anliegen und Wünsche klar zu äußern. Sie verstecken ihre Erwartungen in ihren Aussagen so, dass Feinfühlige und Aufmerksame sie erahnen können, andere das häufig jedoch gar nicht als Aufforderung verstehen. In vielen Kulturen Asiens ist die indirekte, verschlüsselte Form der Äußerung normal. Man nennt dies auch implizite Kommunikation. Das eigentliche Anliegen wird nicht explizit geäußert, sondern man muss es aus dem Zusammenhang erschließen. Das funktioniert dann gut, wenn die Gesprächspartner/innen geübt und gewillt sind, das Gemeinte zu entschlüsseln. Davon können Sie im Berufsleben – und auch sonst - nicht immer ausgehen.

Beispiel implizite und explizite Kommunikation:
Ein Deutscher, eine Amerikanerin und ein Japaner essen in einem Steakrestaurant. Das Steak war sehr zäh, kaum genießbar. Die Kellnerin fragt nach Beenden der Mahlzeit, wie es denn geschmeckt habe. Der Japaner sagt „Der Salat war sehr gut." Die Amerikanerin: „Der Salat war fantastisch. Aber das Steak war leider etwas zäh." Der Deutsche: „Das Fleisch war sehr zäh. Es war ungenießbar." Der Japaner hat indirekt Kritik geübt. Indem er den Salat lobte, das Steak jedoch nicht, wäre einer japanischen Kellnerin sofort klar gewesen, dass das Steak nicht in Ordnung war. In Deutschland würde eine so subtile Form von Kritik in der Regel nicht verstanden. Vielmehr würde sich die Kellnerin vielleicht sogar über das Lob des Salats freuen.

Deutsch zählt zu den Sprachen, in der die explizite Kommunikation normal ist. Wir müssen in Worten klar ausdrücken, was wir meinen, wenn wir sicher gehen wollen, verstanden zu werden.

Erwartungen, die man nur andeutet oder versteckt formuliert, können leicht überhört und ignoriert werden. Das kann absichtlich geschehen, weil der/die Betreffende keine Lust hat, oder auch versehentlich, weil das Gegenüber nicht in der Lage ist, indirekte Kommunikation zu verstehen. Wenn Sie Erwartungen und Forderungen versteckt, also eher implizit formulieren, entstehen für Sie folgende Risiken:

  • Ihr Mitarbeiter/Ihre Mitarbeiterin kann nicht sicher sein, ob Sie etwas wollen und wenn ja, was.
  • Sie überlassen es dem anderen, auf den Wunsch zu reagieren oder auch nicht.
  • Ihre Erwartungen werden ggf. gar nicht oder in anderer Form erfüllt, als Sie das vielleicht gewollt hätten.
  • Ihre Frustration steigt, weil der/die Mitarbeiter/in anders handelt, als Sie es erwarten.
  • Passiert dies häufiger oder über einen längeren Zeitraum, führt dies zu Aggression gegenüber denjenigen, die nicht so agieren, wie Sie das möchten. Das belastet die Beziehung und kann zu Entfremdung oder heftigeren Konflikten führen.

Alternative

Wollen Sie Ihr berufliches Umfeld in Ihrem Sinne gestalten, müssen Sie sich der Auseinandersetzung mit anderen stellen und Ihre Interessen und Erwartungen deutlich verständlich vortragen und sich dafür einsetzen.