Coronavirus SARS-CoV-2 – Fragen und Antworten für Herz-Kreislauf-Patienten

    Fragen und Antworten zum neuartigen Coronavirus

    Das neuartige Coronavirus hat die Welt fest im Griff, täglich gibt es neue Entwicklungen. Viele Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen fragen sich, was diese spezielle Situation für sie persönlich bedeutet. Das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) möchte ihnen Orientierung geben und wichtige Fragen beantworten.

    Die hier genannten Informationen werden von uns laufend aktualisiert.
    Letzte Aktualisierung: 4. Mai 2020

    Hier erfahren Sie mehr über das DZHK.

     

    Fragen und Antworten zum Coronavirus SARS-CoV-2

    (Die Antworten öffnen sich durch einen Klick auf die jeweilige Frage)

    Haben Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19?

    Personen mit Vorerkrankungen des Herzens, zum Beispiel einer koronaren Herzerkrankung, zählen zu den Personengruppen, die ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus haben. Denn eine Infektion mit einem Virus oder einem Bakterium stellt eine zusätzliche Belastung für das Herz-Kreislauf-System dar. Ist das Herz durch eine Vorerkrankung geschwächt, kann eine Infektion es überfordern, sodass die Erkrankung schwerer verläuft. Unabhängig von einer Vorerkrankung nimmt das Risiko außerdem bei Menschen ab ca. 50 bis 60 Jahren mit steigendem Alter, bei Rauchern und bei stark übergewichtigen (adipösen) Menschen  zu.

    Folgende Vorerkrankungen erhöhen das Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19:

    Vorerkrankungen

    • des Herzens (z. B. koronare Herzerkrankung, Herzschwäche, Bluthochdruck) 
    • der Lunge (z. B. Asthma, chronische Bronchitis, COPD)
    • der Niere
    • Patienten mit chronischen Lebererkrankungen
    • Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
    • Patienten mit einer Krebserkrankung
    • Patienten mit geschwächtem Immunsystem (z. B. aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr schwächen, z. B. Cortison).


    Für Erwachsene und Kinder mit angeborenen Herzfehlern verweisen wir auf die Informationen unserer Partnereinrichtung Kompetenznetz Angeborene Herzfehler sowie auf die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK).

    Schädigt COVID-19 das Herz?

    COVID-19 kann Herz und Kreislauf sowohl direkt als auch indirekt beeinträchtigen. Durch die Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus können akute Schäden am Herz, Herzmuskelentzündungen, Herzrhythmusstörungen und Thrombosen auftreten. Zu akuten Schäden am Herz kommt es beispielsweise bei sieben bis 17 Prozent der Patienten, die wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt werden mussten. Das zeigen bis Mitte März veröffentlichte Daten, die überwiegend aus China stammen.

    Wir können sich Herz-Kreislauf-Patienten schützen?

    Zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus gelten auch für Herz-Kreislauf-Patienten die besonders wichtigen allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln. Außerdem ist es wichtig, dass sie ihre vom Arzt verordneten Medikamente konsequent weiter einnehmen.

    Hygiene

    • Keine Hände schütteln.
    • Die Hände täglich mehrmals gründlich mit Seife waschen (mindestens 20 Sekunden) oder desinfizieren.
    • Nur Papiertaschentücher verwenden und diese nach einmaligem Gebrauch sofort in einen Mülleimer mit Deckel entsorgen.
    • Beim Niesen und Husten wegdrehen und in die Armbeuge husten oder niesen, anschließend die Hände mit Seife waschen oder desinfizieren.


    Abstand

    • Zu anderen Menschen einen Abstand von mindestens 1 bis 2 Metern einhalten.
    • Öffentliche Veranstaltungen mit vielen Menschen auf engem Raum nach Möglichkeit meiden.
    • Auf unnötige Reisen und Flüge verzichten.
    • Falls möglich telemedizinische Sprechstundenangebote nutzen.
    • Generell sollten Menschen, die Krankheitszeichen im Bereich der Atemwege haben, zu Hause bleiben.


    Information

    • Aktiv über das Krankheitsbild informieren, um Symptome frühzeitig selbst zu erkennen.

    Wie soll man sich bei Verdacht auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall verhalten?

    Bei Anzeichen für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zählt jede Minute. Rufen Sie deshalb auch in Zeiten von COVID-19 unbedingt den Notarzt, wenn Sie den Verdacht haben, eine solche Erkrankung könnte vorliegen. Die Kliniken sind weiterhin dafür gerüstet, solche Notfallerkrankungen zu behandeln. Mit dem neuartigen Coronavirus infizierte Patienten werden auf getrennten Stationen versorgt.

    Werden Herzinfarkt und Schlaganfall nicht unverzüglich im Krankenhaus behandelt, können sie schwere Folgen wie Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Lähmungen haben und auch tödlich enden.

    Deutsche Kliniken registrieren zurzeit weniger Patienten mit akuten Herzinfarkten und Schlaganfällen. Sie führen das auf Verunsicherung und Angst vor einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus zurück. Das Deutsche Herzzentrum Berlin und die Charité – Universitätsmedizin Berlin haben sich deshalb mit einem dringenden Appell an die Patienten gerichtet, auch weiterhin bei möglichen Symptomen unverzüglich den Notruf 112 zu wählen.

    In einem offenen Brief bitten die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK), Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK) sowie die Deutsche Herzstiftung auch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek in dieser Angelegenheit um ihre Unterstützung: Lebensbedrohliche Herzerkrankungen nicht ignorieren – Notfallversorgung ist gewährleistet.

    Erhöhen Blutdrucksenker das Risiko für einen ungünstigen Verlauf einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2?

    Weder ACE-Hemmer noch Angiotensin-Rezeptor-Blocker erhöhen das Risiko, für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung oder sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren. Das bestätigen drei Anfang Mai veröffentlichte große Studien. In zwei Studien wurden die Daten von 8.910 bzw. 6.272 an COVID-19 erkrankten Patienten hinsichtlich der Sterblichkeitsrate bzw. des Infektionsrisikos in Zusammenhang mit der Einnahme von Blutdrucksenkern ausgewertet. In der dritten Studie wurden 12.00 Patienten auf SARS-CoV-2 getestet und untersucht, ob Blutdrucksenker das Risiko für eine Infektion beeinflussen. Die Ergebnisse untermauern übereinstimmend, dass Patienten ihre Blutdrucksenker bedenkenlos weiter einnehmen können.

    Fachgesellschaften und Experten wie Professor Thomas Eschenhagen, Vorstandsprecher des DZHK, hatten bereits davor gewarnt blutdrucksenkende Medikamente abzusetzen, da dies erhebliche Gesundheitsrisiken mit sich bringt. Denn es ist bewiesen, dass ACE-Hemmer und Sartane bei Patienten mit Bluthochdruck und Herzschwäche die Sterblichkeit und die Wahrscheinlichkeit senken, im Krankenhaus behandelt werden zu müssen. Außerdem schützen sie die Nieren dieser Patienten.

    Verschlechtert Ibuprofen den Verlauf von COVID-19?

    Zurzeit gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Ibuprofen und andere Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 verschlechtern. Laut Professor Thomas Eschenhagen, Vorstandsprecher des DZHK, ist es aber für Patienten, die Ibuprofen oder andere NSAR zum Beispiel bei grippeähnlichen Symptomen einnehmen, ohne Probleme möglich, auf Paracetamol auszuweichen. Es hat zumindest eine ähnlich gute fiebersenkende Wirkung. Professor Eschenhagen weist außerdem darauf hin, dass für Herzpatienten, die Acetylsalicylsäure (ASS) als Standardtherapie zur Thromboseprophylaxe einnehmen, bei einer Grippe ohnehin nur Paracetamol in Frage kommt. Wer Paracatmol einnimmt, sollte aber unbedingt die Dosis-Obergrenzen beachten, da dieses Medikament die Leber schädigen kann.

    Auch die europäische Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt, Fieber und Schmerzen bei Patienten mit einer SARS-CoV-2-Infektion sowohl mit Paracetamol als auch mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Medikamenten wie Ibuprofen zu behandeln. Die WHO hat ihre Warnung vor der Einnahme von Ibuprofen in Zusammenhang mit einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus ebenfalls widerrufen.

    Was bedeutet die Coronavirus-Pandemie für meine Teilnahme an einer klinischen Studie des DZHK?

    Je nachdem wie eine Studie konzipiert ist, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten für den weiteren Ablauf. Manchmal können Telefonate oder Videokonsultationen einen Termin in der Klinik ersetzen, eventuell ändern sich der Zeitpunkt oder die Anzahl der Visiten. Prinzipiell gilt, dass alle klinischen Studien, deren Abbruch oder Aufschub die Studienteilnehmer gefährden würde, fortgesetzt werden.

    Falls Ihr Studienarzt Sie noch nicht über den weiteren Ablauf informiert hat, nehmen Sie bitte telefonisch oder per E-Mail Kontakt zu Ihrem Studienzentrum auf, bevor Sie Ihren nächsten Termin vor Ort wahrnehmen. Kontaktdaten finden Sie auch in der DZHK-Studienliste auf der Probandeninformationsplattform des DZHK.

    Haben die Krankenhäuser noch ausreichend Kapazitäten für andere Notfälle als COVID-19-Patienten?

    An deutschen Kliniken ist auch die Versorgung anderer Notfallerkrankungen sichergestellt. Mit dem neuartigen Coronavirus infizierte Patienten werden auf getrennten Stationen versorgt.

    Rufen Sie auch in Zeiten von COVID-19 unbedingt den Notarzt, wenn Sie den Verdacht haben, ein Herzinfarkt oder Schlaganfall könnten vorliegen. Werden diese Erkrankungen nicht unverzüglich im Krankenhaus behandelt, können sie schwere Folgen wie Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Lähmungen haben und auch tödlich enden.

    Deutsche Kliniken registrieren zurzeit weniger Patienten mit akuten Herzinfarkten und Schlaganfällen. Sie führen das auf Verunsicherung und Angst vor einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus zurück. Das Deutsche Herzzentrum Berlin und die Charité – Universitätsmedizin Berlin haben sich deshalb mit einem dringenden Appell an die Patienten gerichtet, auch weiterhin bei möglichen Symptomen unverzüglich den Notruf 112 zu wählen.

    In einem offenen Brief bitten die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK), Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK) sowie die Deutsche Herzstiftung auch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek in dieser Angelegenheit um ihre Unterstützung: Lebensbedrohliche Herzerkrankungen nicht ignorieren – Notfallversorgung ist gewährleistet.

    Ist ein Mund-Nasen-Schutz sinnvoll?

    Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist in allen Bundesländern Pflicht. Auch Schals oder Tücher sind hierfür erlaubt. Die Maskenpflicht gilt im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften. In einigen Bundesländern ist ein Mund-Nasen-Schutz zusätzlich auf Wochenmärkten, in Bibliotheken oder Arztpraxen verpflichtend (siehe Übersicht Deutschlandkarte unten).

    Generell gilt, dass gesunde Personen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes oder einer „Behelfsmaske“ aus Stoff nicht davor schützt, sich mit dem neuartigen Coronavirus anzustecken. Am besten schützt man sich und andere vor COVID-19 durch die allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln. Dazu gehören: Husten und Niesen in die Armbeuge anstatt in die Hand, eine gute Händehygiene (mind. 20 Sekunden mit Seife waschen) und Abstand zu anderen Personen halten (ca. ein bis zwei Meter). Außerdem sollten sich erkrankte Personen selber isolieren und zuhause bleiben.

    Ein Mund-Nasen-Schutz kann jedoch laut Robert-Koch-Institut (RKI) das Risiko verringern, andere Personen anzustecken. Nicht jeder bemerkt sofort, dass er mit SARS-CoV-2 infiziert ist oder weist überhaupt Symptome auf, kann aber den Erreger trotzdem auf andere übertragen. Dies geschieht, wenn man niest, hustet oder spricht. Denn dabei entstehen Tröpfchen, die ansteckend sind. Eine einfache Mund-Nasen-Bedeckung kann diese abfangen. Einen wissenschaftlichen Beleg für diesen Schutz gibt es aber noch nicht.

    An Orten, an denen der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann oder man sich länger aufhält, wie öffentlichen Verkehrsmitteln, Lebensmittelgeschäften und Arbeitsplätzen, kann eine Mund-Nasen-Bedeckung dazu beitragen, die Ausbreitung des Virus zu reduzieren. Voraussetzung ist, dass viele Menschen im öffentlichen Leben eine solche Behelfsmaske tragen und diese richtig handhaben.

    Eine optimale Wirksamkeit einer Mund-Nasen-Bedeckung ist nur dann gegeben, wenn diese eng anliegend sitzt, bei Durchfeuchtung gewechselt und während des Tragens nicht zurechtgezupft oder um den Hals getragen wird.

    Richtig abhalten können nur spezielle Schutzmasken (FFP-Masken ab Schutzstufe 2) das Virus. Diese Masken müssen vor allem das medizinische und das Pflegepersonal tragen, um sich optimal zu schützen. Auch der mehrlagige medizinische (chirurgische) Mund-Nasen-Schutz sollte diesem Personenkreis vorbehalten bleiben.

    Wer sollte sich testen lassen?

    Derzeit entscheiden Kliniken und Hausärzte, wer auf das neuartige Coronavirus getestet wird und orientieren sich dabei an den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI). Auch wenn nur leichte Symptome wie Fieber, Halsschmerzen oder Atembeschwerden auftreten, empfiehlt das RKI insbesondere immer dann ärztlichen Rat einzuholen und nach einem Test zu fragen, wenn zusätzlich einer der folgenden Punkte zutrifft:

    • Kontakt zu einem bestätigten COVID-19-Fall innerhalb der letzten 14 Tage.
    • Es besteht eine Vorerkrankung oder die Atemwegserkrankung wird schlimmer (Atemnot, hohes Fieber etc.).
    • Bei der Arbeit oder ehrenamtlichen Tätigkeit kommt es zu Kontakt mit Menschen, die ein hohes Risiko für schwere Erkrankungen haben (z.B. im Krankenhaus oder der Altenpflege).

    Bereits bevor das Testergebnis vorliegt, sollte man zu Hause bleiben und sich selbst isolieren, weiterhin den empfohlenen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten, auf gute Händehygiene achten und einen Mund-Nasen-Schutz tragen, falls man Kontakt zu anderen hat.

    Tests bei Personen ohne jegliche Krankheitssymptome werden nicht empfohlen.


    Wo kann man sich testen lassen?

    Wenn Sie vermuten sich infiziert zu haben, gehen Sie nicht in die Arztpraxis. Rufen Sie Ihren behandelnden Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin an. Wenn diese/r nicht erreichbar ist, rufen Sie den Patientenservice der Kassenärztlichen Bundesvereinigung unter der Telefonnummer 116 117 an. Der oder die dortige Mitarbeiter/in entscheidet, ob Sie getestet werden müssen und bespricht mit Ihnen die weiteren Schritte.

    Falls Sie Kontakt zu positiv getesteten Personen hatten, sollten Sie sich an das zuständige Gesundheitsamt wenden, welches Ihnen mit einer individuellen Befragung persönliche Maßnahmen empfehlen kann. Einen Gesundheitsamt-Finder finden Sie auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts: https://tools.rki.de/PLZTool/?q=66045

    Wo bekomme ich weiterführende Informationen?

    Weitere vertrauenswürdige allgemeine Informationen über den neuartigen Coronavirus, wie man sich schützen und an wen man sich wenden kann, sind auf diesen Internetseiten zu finden:


    Hotlines für Bürger bieten unter anderem auch die Unabhängige Patientenberatung Deutschland, einige Bundesländer und Krankenkassen an.