MR-INFORM-Studie vorgestellt


Prof. Dr. med. Eike Nagel

Nichtinvasive Perfusionsbildgebung ist gleichwertig mit invasiver Angiographie bei Patienten mit stabilen Brustschmerzen

Prof. Dr. med. Eike Nagel, Direktor der Abteilung für experimentelle und translationale kardiovaskuläre Bildgebung der Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt, präsentierte heute die wichtigsten Erkenntnisse der MR-INFORM-Studie am American College for Cardiology Scientific Sessions in Washington DC, USA als brandaktuelle klinische Studie. Die MR-INFORM-Studie untersuchte die klinische Wirksamkeit von nichtinvasiven Magnetresonanz-Perfusionsmessungen im Vergleich zur invasiven Koronarangiographie mit intrakoronaren Druckmessungen (fractional flow reserve, FFR) bei Patienten mit stabiler Angina pectoris.

Wichtigste Erkenntnis der Studie ist, dass in einer Patientenpopulation mit hohem Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse die nichtinvasive MR-Perfusionsbildgebung das Patientenmanagement ebenso sicher leiten kann wie die aktuell verwendete FFR-gestützte Koronarangiographie.

MR-Perfusionsbildgebung ist ein nicht-invasiver, auf der Magnetresonanzbildgebung basierender Test, der den Blutfluss im Herzen direkt bestimmt. Er ist schnell, benötigt keine ionisierende Strahlung und hat eine hohe diagnostische Genauigkeit für die nichtinvasive Erfassung von prognostisch relevanten Erkrankungen der Herzkranzgefäße.

Aktuelle Standarddiagnostik ist die invasive Koronarangiographie. Zudem wurde gezeigt, dass zusätzliche FFR-Messungen das klinische Ergebnis verbessern. Insgesamt 918 Patienten mit belastungsinduzierten Schmerzen in der Brust wurden von den MR-INFORM-Wissenschaftlern randomisiert in zwei Gruppen aufgeteilt – eine Gruppe bekam die invasive Untersuchung mit Angiographie und FFR-Messungen, die andere die MR-Perfusionsbildgebung. Die anschließende Managementstrategie richtete sich nach dem Ergebnis der jeweiligen Untersuchung.

Nur wenn die Angiographie und FFR oder MR-Perfusion und Angiographie positiv ausfielen wurden die Patienten revaskularisiert.  Alle Patienten wurden über einen Zeitraum von einem Jahr beobachtet und bedeutende Ereignisse (Tod, Myokardinfarkt, erneute Revaskularisierung des Zielgefäßes) wurden erfasst. In beiden Gruppen ging es den Patienten gut und die Ereignisrate war sehr niedrig (3,9 Prozent in der Angiographie-geleiteten Gruppe und 3,33 Prozent in der MR-Perfusion-geleiteten Gruppe). Dies machte statistisch keinen Unterschied so dass gezeigt wurde, dass mit MR-Perfusionsbildgebung als Methode der ersten Wahl Patienten sicher geleitet werden können.

„Diese wichtigen Ergebnisse werden unsere Vorgehensweise bei Patienten mit stabiler Angina pectoris verändern. Bisher wurden diese Patienten größtenteils mit der invasiven Angiographie untersucht. Jetzt können wir sie mittels MR-Bildgebung – einem schnellen, nichtinvasiven Test, der keine Strahlung benötigt – untersuchen. Wir wissen, dass wir den Resultaten vertrauen und basierend auf diesen Ergebnissen Patienten versorgen können“, sagt Prof. Nagel. „Ein weiteres wichtiges Ergebnis ist, dass die Gesamtzahl der Revaskularisierungen in der Gruppe, welche mittels MR-Perfusionsbildgebung evaluiert wurde, viel kleiner war. Dies ermöglicht uns, Ressourcen von unnötigen invasiven Eingriffen zu besseren diagnostischen Methoden zugunsten unserer Patienten zu verlagern“, fügt er hinzu.

Zusammenfassend ist MR-INFORM die erste vergleichende Wirksamkeitsstudie, die ein auf einer nichtinvasiven Strategie basierendes Patientenmanagement mit der invasiven Untersuchungsmethode bei Patienten mit stabiler Angina pectoris vergleicht. Sie zeigt bei 918 Patienten, die über einen Zeitraum von einem Jahr beobachtet wurden, dass die nichtinvasive Untersuchung genauso zuverlässig ist wie die invasive Untersuchung in dieser Hochrisikogruppe.

MR-INFORM ist eine von Forschern initiierte Studie. Gefördert wurde sie durch das National Institute of Health Research (UK), durch das Biomedical Research Centre (Guy’s and St. Thomas’ Hospital and Trust), das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Eine unbeschränkte Forschungszuwendung gab es von der Firma Bayer AG (Deutschland), einem Hersteller von MR-Kontrastmitteln.

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